Von Lalo Fin, Saunameister

In vielen Schweizer Saunen schwitzt man nackt, aber nicht überall und nicht immer. Hier steht, was gilt, warum, und welche Wege es gibt, wenn du lieber etwas anbehältst.

Musst du in der Sauna nackt sein? Ein Gesetz verlangt das in der Schweiz nicht. Was gilt, regelt die Hausordnung der jeweiligen Sauna, und an sie hältst du dich (JUSTIS). In vielen Saunen heisst das: In der Kabine bist du nackt und sitzt oder liegst auf einem grossen Tuch. Andere bieten eine Textilsauna oder eigene Zeiten mit Badekleidung an (JUSTIS).

Ein Beispiel für eine solche Regel: Die Stadt Zürich verlangt in ihren Saunakabinen textilfreies Saunieren und ausserhalb davon ein Badetuch oder einen Bademantel (JUSTIS). Wo die Hausordnung das so festlegt, ist die Badehose nicht die vorsichtige Wahl, sondern gegen die Regel. Lies die Hausordnung darum vor dem Besuch auf der Website oder frag an der Kasse. Das dauert eine Minute und nimmt dir die Unsicherheit.

Ich habe rund acht Jahre als Saunameister in Finnland gearbeitet und mein Handwerk in den finnischen Wäldern gelernt. Heute lebe ich in der Schweiz.

Warum ist man in der Sauna nackt?

Es gibt zwei Gründe, und beide sind praktisch.

Der erste ist das Schwitzen. Der Schweiss soll auf der Haut verdunsten können, und Stoff hält ihn fest. SRF schreibt in seinen Saunaregeln knapp: In der Sauna ist man nackt, denn nur nackt kann man richtig gut schwitzen (SRF).

Der zweite ist die Hygiene. Rolf-Andreas Pieper vom Deutschen Sauna-Bund hält Saunabaden in Badekleidung für unhygienisch, weil sich darin Fäkalkeime befinden. Diese Keime bleiben in der Badehose und gelangen beim Eintauchen ins Wasser. Badekleidung fördere zudem schlechte Gewohnheiten, etwa dass man sich ungeduscht aufs Holz setzt (dpa, Tageskarte). Das Holz, auf dem du sitzt, teilst du mit allen anderen, und das Tauchbecken auch.

Ich sehe es nüchtern: Nackt ist in der Sauna einfach das Praktische. Mutig musst du dafür nicht sein.

Darf ich mich in ein Tuch wickeln?

Das Tuch ist in der Sauna wichtiger als jede Badehose. Die goldene Regel lautet: kein Schweiss aufs Holz. Du sitzt oder liegst ganz auf deinem Tuch, die Füsse eingeschlossen. Darum nimmst du zwei Tücher mit, eines für die Kabine und eines zum Abtrocknen (SRF).

In der Kabine liegt das Tuch unter dir, nicht um dich. Dich darin einzuwickeln ist nicht sinnvoll, denn nackt schwitzt du besser (SRF). Bis du auf der Bank bist, darfst du es aber um dich behalten und erst dann ausbreiten. Ausserhalb der Kabine ist es völlig in Ordnung, wenn du dich in ein Tuch hüllst (SRF). Viele tragen auf den Wegen zwischen Dusche, Kabine und Ruheraum einen Bademantel.

Im Dampfbad setzt du dich zusätzlich auf ein kleines Gästehandtuch, denn auf den feuchten Fliesen können fremde Keime sein (SRF).

Was sonst in die Tasche gehört und wie ein Saunagang abläuft, steht in der Sauna-Knigge.

Ist es überall in der Schweiz gleich?

Nein. Eine Meldung der Deutschen Presse-Agentur von 2020 beschreibt die Schweiz als zweigeteilt: In der Deutschschweiz saunieren Frauen und Männer in der Regel gemeinsam und nackt. Im Engadin, im Tessin und im Wallis trage man in gemischten Saunen eher Badekleidung, und wo nackt sauniert werde, dann meist nach Geschlechtern getrennt (dpa, Tageskarte). Worauf diese Einschätzung beruht, sagt die Meldung nicht. Nimm sie als grobe Richtung, nicht als Regel.

Gemischt und nackt ist auch anderswo nicht selbstverständlich. Wer in Finnland eine öffentliche Sauna nackt nutzt, tut das laut derselben Meldung nach Geschlechtern getrennt (dpa, Tageskarte).

Was in deiner Sauna gilt, sagt dir am Ende nur ihre Hausordnung. Das gilt auch für die Sauna im Hotel.

Wo ist Badekleidung erlaubt?

In einer Textilsauna oder zu Textilzeiten. Manche Betriebe haben eine eigene Textilsauna, andere feste Zeiten, in denen Badekleidung erlaubt ist (JUSTIS). Zieh dafür trockene Badekleidung an, nicht die nasse aus dem Schwimmbecken. Und auch dort gilt: Tuch unter dich, kein Schweiss aufs Holz.

Textilzeiten sind ein guter Einstieg, wenn du die Sauna zuerst kennenlernen willst, ohne dich gleichzeitig ans Nacktsein gewöhnen zu müssen. Eins nach dem anderen ist völlig in Ordnung.

Gibt es Frauensaunen?

Ja, an manchen Orten. Manche Saunen haben eine eigene Frauensauna oder feste Frauenzeiten. Ein Beispiel: Die Stadt Zürich hat 2013 in einem ihrer Hallenbäder, dessen Sauna sonst gemischt ist, an einem Morgen und einem Abend pro Woche Zeiten nur für Frauen eingeführt. Der Grund war ein ausgewiesenes Bedürfnis der Frauen (Stadt Zürich).

Solche Zeiten ändern sich. Schau darum immer auf die aktuelle Website der Sauna, nicht auf alte Listen.

Was tust du, wenn dich jemand anstarrt?

Nackt saunieren ist keine Einwilligung: nicht in Berührungen, nicht in Kommentare, nicht in sexuelle Handlungen. Ein kurzer Blick ist nicht automatisch strafbar. Hartnäckiges Anstarren, Verfolgen oder aufdringliches Verhalten kann aber gegen die Hausordnung verstossen, und das Personal kann handeln, ohne dass es zuerst ein Strafverfahren braucht. Wer stört oder übergriffig wird, riskiert eine Verwarnung, einen Ausschluss oder ein Hausverbot. Tätliche oder grobe sexuelle Belästigung, auch mit Worten oder Bildern, ist zudem strafbar (Art. 198 StGB) (JUSTIS).

Wenn dir so etwas passiert:

  • Geh an einen sicheren Ort und sag es dem Personal. Du musst die Person nicht selbst zur Rede stellen.
  • Beschreib möglichst genau, was passiert ist, wer es war, wann, und wer es gesehen hat.
  • Schreib den Vorfall auf. Fotografiere aber keine anderen nackten Gäste.
  • Bei Übergriffen oder Drohungen wendest du dich an die Polizei. Bei unmittelbarer Gefahr wählst du 117.

So rät es der Rechtsratgeber JUSTIS. Wenn du Gewalt oder einen sexuellen Übergriff erlebt hast, berät dich die Opferhilfe rund um die Uhr, kostenlos und vertraulich unter 142 (Bundesamt für Justiz).

Zu Fotos: Viele Betriebe verbieten Aufnahmen oder schon Geräte mit Kamera, und heimliche Aufnahmen können strafbar sein (JUSTIS). Das Handy bleibt also im Schrank.

Umgekehrt gilt für dich, was du dir selbst wünschst: Grüssen ist in Ordnung, Anstarren nicht (SRF).

Wenn dir nackt nicht wohl ist

Du hast mehrere Wege, und alle sind gut:

  • Textilzeiten, Textilsauna oder Frauenzeiten. Frag danach, bevor du hingehst.
  • Ruhige Zeiten. Frag an der Kasse, wann wenig los ist. Zu den Aufgüssen ist die Kabine oft voll, dazwischen ruhiger. Wie ein Aufguss abläuft, steht in Aufguss erklärt.
  • Ein guter Platz. In der Kabine ist es in der Regel recht dunkel (SRF). Eine untere Bank in der Ecke ist für den Anfang angenehm.
  • Eine private Sauna. Wenn du eine Sauna für dich oder deine Gruppe mietest, entscheidet ihr selbst, was ihr tragt. Wie das geht, steht in Sauna mieten.

Und wenn du es einmal ausprobierst, merkst du vielleicht: Die anderen schwitzen, atmen und schauen auf die Sanduhr. Du bist dort nicht die Hauptperson, und das ist eine gute Nachricht.

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Veröffentlicht mit SuperDuperSEO