Von Lalo Fin, Saunameister
Zum ersten Mal in der Sauna und unsicher, was du darfst? Hier ist der ganze Ablauf, vom Duschen bis zur letzten Ruhepause, mit dem Grund hinter jeder Regel.
Die wichtigste Regel der Sauna-Knigge heisst: kein Schweiss aufs Holz (SRF). Der Rest ist ein einfacher Ablauf. Du duschst, trocknest dich ab und schwitzt auf deinem Tuch. Dann kühlst du ab, ruhst und trinkst. Das Ganze machst du dreimal. Was in deiner Sauna sonst noch gilt, steht in ihrer Hausordnung (JUSTIS).
Ich habe rund acht Jahre als Saunameister in Finnland gearbeitet und mein Handwerk in den finnischen Wäldern gelernt. Heute lebe ich in der Schweiz. Hier erkläre ich dir jeden Schritt und den Grund dahinter. Wer den Grund kennt, muss sich die Regel nicht merken.
Was in die Saunatasche gehört
- Zwei Tücher: ein grosses, auf dem du ganz liegen kannst, und eines zum Abtrocknen. Ein Tuch mit zwei Farben hilft dir, beim nächsten Gang wieder dieselbe Seite nach unten zu legen (SRF).
- Bademantel und Badeschuhe für die Wege zwischen Kabine, Dusche und Ruheraum, dazu Duschgel (Stadtwerke München).
- Etwas zu trinken, etwa Wasser, Tee oder verdünnten Saft, wo das erlaubt ist (Stadtwerke München).
Geh weder hungrig noch mit vollem Magen hin. Etwas Leichtes vorher, zum Beispiel Obst, passt gut (Stadtwerke München).
1. Duschen und abtrocknen
Vor dem ersten Gang duschst du gründlich, mit Duschgel. Dann trocknest du dich gut ab. Das klingt seltsam, weil du gleich ohnehin nass wirst. Der Grund: Auf nasser Haut verdunstet der Schweiss schlechter (SRF).
Wenn du nicht so schnell ins Schwitzen kommst, hilft vor dem Gang ein warmes Fussbad. Das rät der Sportwissenschaftler Rolf-Andreas Pieper vom Deutschen Sauna-Bund. Er hat laut SRF gegen 7’500 Saunameisterinnen und Saunameister in Deutschland, der Schweiz und Österreich ausgebildet (SRF).
2. Wo du in der Kabine sitzt
Schau vor dem Eintreten, ob gerade ein Aufguss läuft. Dann bleibt die Tür möglichst zu, sonst entweicht der Dampf (Stadtwerke München). Du wartest, bis er vorbei ist.
Grüssen beim Eintreten ist in Ordnung, anstarren nicht (SRF). Du sitzt oder liegst ganz auf deinem Tuch, die Füsse eingeschlossen (SRF). Das ist keine Pedanterie. Nach dir sitzt jemand anderes auf derselben Bank.
Heisse Luft steigt nach oben. Darum ist es auf der oberen Bank am heissesten und unten am mildesten. Wird es dir zu heiss, setzt du dich eine Bank tiefer (Stadtwerke München). Für den ersten Besuch ist die untere oder mittlere Bank ein guter Platz.
In der Kabine und im Ruheraum ist Ruhe geboten, vor allem, wenn du den Raum mit Unbekannten teilst (SRF). Wenn du mit jemandem da bist, redet ihr leise oder gar nicht.
3. Wie lange du in der Sauna bleibst
Eine finnische Sauna ist meist 80° bis 100° heiss (Hussain und Cohen, 2018). Ein durchschnittlicher Saunagang dauert acht bis zwölf Minuten (Stadtwerke München). Laut SRF reichen 15 Minuten, und Pieper selbst ist meistens schon nach acht Minuten wieder draussen (SRF).
Mein Rat für den Anfang: Bleib acht bis zehn Minuten, und geh raus, sobald du genug hast. Es gibt keinen Preis fürs Durchhalten. Die Sanduhr an der Wand ist ein Hinweis, kein Befehl. Verlass dich mehr auf dein Gefühl als auf die Uhr (Stadtwerke München).
Bevor du gehst, setzt du dich auf und bleibst ein paar Minuten sitzen. Erst dann stehst du langsam auf. In der Hitze sind deine Blutgefässe weit. Wer zu schnell aufsteht, dem kann schwarz vor Augen werden (SRF).
4. Wie du richtig abkühlst
Zuerst gehst du ein paar Minuten an die frische Luft (Stadtwerke München). Bleib dabei in Bewegung und steh nicht still. Sonst kann das Blut in die Beine sacken, und der Kreislauf kann versagen (SRF).
Dann kommt das kalte Wasser. Mit dem Kneippschlauch oder der Dusche beginnst du fern vom Herzen: zuerst Beine und Arme, erst danach den Rumpf (Stadtwerke München). Ein Guss mit dem Schlauch dauert eine bis zwei Minuten. Danach kannst du kalt duschen oder kurz ins Tauchbecken (SRF).
Vor dem Tauchbecken duschst du dich kalt oder lauwarm ab. So bleibt das Wasser für alle sauber, und dein Körper kühlt nicht zu abrupt ab. Steig ruhig atmend hinein und bleib nur ein paar Sekunden. Wenn du hohen Blutdruck hast, lässt du das Tauchbecken aus (Stadtwerke München).
Das Abkühlen mit Luft und Wasser dauert etwa so lange wie der Gang in der Hitze (Stadtwerke München). Danach tut ein warmes Fussbad gut. Die Haut ist kalt, aber der Körperkern kühlt noch etwa eine Viertelstunde nach. Das Fussbad hilft gegen das Nachschwitzen in der Garderobe (SRF).
Wenn deine Sauna an einem See oder Fluss liegt, lies vorher meinen Text über das Abkühlen im See, im Fluss und im Eisbad. Offenes Wasser hat eigene Regeln.
5. Wie lange du zwischen den Gängen ruhst
Zwischen zwei Gängen ruhst du 20 bis 30 Minuten. So kommt dein Kreislauf zur Ruhe. Im Ruheraum verzichtest du auf Gespräche und andere Geräusche, also auch auf den Handyton (Stadtwerke München). Lesen und dösen sind willkommen.
Trink in den Pausen Wasser, Tee oder verdünnten Saft, denn beim Schwitzen verlierst du viel Flüssigkeit. Alkohol lässt du weg (Stadtwerke München). Das hat einen ernsten Grund. In Finnland stand von 1990 bis 2002 die Hälfte der Menschen, die in der Sauna starben, unter Alkoholeinfluss. Solche Todesfälle sind selten, weniger als 2 pro 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner im Jahr. Die Forschenden raten aber klar zu weniger Alkohol und dazu, niemanden betrunken allein in der Sauna zu lassen (Kenttämies und Karkola, 2008).
6. Wie viele Saunagänge du machst
Drei Gänge sind ein guter Besuch. Das empfiehlt Pieper (SRF), und gerade wer neu ist, sollte nicht mehr machen (Stadtwerke München).
Nach dem letzten Gang kühlst du ab und ruhst. Dann duschst du und trocknest dich gut ab, bevor du dich anziehst. Duschgel brauchst du dann keines mehr (SRF).
Beim Aufguss
In einer öffentlichen Sauna giesst nur das Personal auf, nie du selbst. Zu viel Aufguss kann zu einer Verpuffung führen (SRF).
Komm vor Beginn in die Kabine, denn während des Aufgusses bleibt die Tür möglichst zu. Für den Anfang setzt du dich unten hin. Wird es dir zu viel, darfst du jederzeit gehen (Stadtwerke München). Alles Weitere steht in Aufguss erklärt.
Nackt oder mit Badekleidung
Das regelt die Hausordnung, kein Gesetz. Viele Anlagen haben textilfreie Bereiche, andere bieten Textilsaunen oder besondere Zeiten an (JUSTIS). Ausserhalb der Kabine darfst du dich jederzeit in ein Tuch hüllen (SRF). Was in Schweizer Saunen üblich ist und was Textilzeiten und Frauenzeiten sind, erkläre ich in Nackt oder Badekleidung.
Sauna-Knigge: was du lieber lässt
- Selbst aufgiessen in einer öffentlichen Sauna. In einer gemieteten Sauna bist du selbst dran, mehr dazu in Sauna mieten.
- Fotos und Handys. Viele Betriebe verbieten Aufnahmen oder schon Geräte mit Kamera, und heimliche Aufnahmen können strafbar sein (JUSTIS).
- Anstarren und Kommentare. Wer nackt sauniert, willigt damit nicht in Berührungen oder Kommentare ein (JUSTIS).
- Alkohol vor und während des Besuchs.
- Eile. Drei Gänge mit Abkühlen und Pausen brauchen rund zwei Stunden. Plane sie ein.
Wenn dir nicht wohl ist
Geh raus, setz dich hin und sag dem Personal Bescheid. Das ist kein Versagen, sondern genau richtig.
Wenn du Herzprobleme oder eine andere Vorerkrankung hast, sprich vor dem ersten Besuch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Eine Übersichtsarbeit von 2018 fasst zusammen, dass in der Fachliteratur ernste Zwischenfälle beschrieben sind: eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels, vor allem bei instabiler koronarer Herzkrankheit, und seltener Ohnmacht und Stürze. Dieselbe Arbeit hält fest, dass viele Gesundheitsversprechen rund um die Sauna nicht gut belegt sind und es mehr und bessere Daten zu Nebenwirkungen braucht (Hussain und Cohen, 2018). Ich verspreche dir darum keine Heilwirkung. Nur dies: Ein ruhiger Saunabesuch nach diesen Regeln ist einfacher, als er von aussen aussieht.
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Veröffentlicht mit SuperDuperSEO