Von Lalo Fin, Saunameister

Wasser auf heisse Steine, ein Tuch in der Luft, und plötzlich ist die Hitze eine ganz andere. So läuft ein Aufguss ab, und so geniesst du ihn, ohne dich zu übernehmen.

Beim Aufguss in der Sauna giesst das Personal Wasser auf die heissen Steine des Ofens und wedelt die heisse Luft zu den Gästen. Ein Aufguss dauert in der Regel 6 bis 10 Minuten, also etwa so lange wie ein normaler Saunagang. Du kommst vor Beginn in die Kabine, giesst nie selbst auf und darfst jederzeit gehen.

Ich habe rund acht Jahre als Saunameister in Finnland gearbeitet, das Handwerk in den finnischen Wäldern gelernt und lebe heute in der Schweiz. Die Finnen haben für den Dampf beim Aufguss ein eigenes Wort: Löyly. Die UNESCO beschreibt Löyly als den Geist oder Dampf, der aufsteigt, wenn Wasser auf heisse Steine gegossen wird (UNESCO). Um diesen Dampf geht es beim Aufguss.

Was beim Aufguss passiert

Die Saunameisterin oder der Saunameister giesst mit einer Holzkelle Wasser auf die heissen Steine, oft mit einem Duftöl versetzt. Dann wird die heisse Luft mit einem Handtuch, einem grossen Fächer oder einer Fahne in der Kabine verteilt und zu den Gästen gelenkt. Das verstärkt die Hitze noch. Giessen und Wedeln wiederholen sich meist dreimal (Stadtwerke München).

Was du spürst, ist vor allem der Dampf. Er schlägt sich auf deiner Haut nieder, und das empfindest du als starken Wärmereiz (Stadtwerke München). Darum kann eine Kabine, in der du eben noch gut gesessen bist, mit dem ersten Guss auf einmal sehr heiss werden.

Wie lange ein Aufguss dauert und wie heiss er ist

Für Aufgüsse in Saunen, die nicht nur privat genutzt werden, gibt es in Deutschland eine Richtlinie. Rolf-A. Pieper vom Deutschen Sauna-Bund hat ihre Eckpunkte 2018 an einem Fachgespräch der deutschen Unfallversicherung DGUV vorgestellt (Deutscher Sauna-Bund, DGUV 2018):

  • Dauer: 6 bis 10 Minuten, höchstens 12.
  • Raumtemperatur: 90°, gemessen an der Decke der Kabine.
  • Wasser: 20 bis 30 Gramm pro Kubikmeter Kabine.
  • Personal: geschult, mit einer fachlich verantwortlichen Person für die Aufgüsse.
  • Hinweise für die Gäste: wie lange der Aufguss dauert, welcher Duft kommt und dass man den Raum verlassen darf.

Ich halte sie auch für Schweizer Saunen für einen guten Massstab.

Wie es in der Praxis aussieht, zeigt eine Umfrage des Sauna-Bunds aus demselben Jahr. 65 Prozent der Antworten nannten einen Aufguss pro Stunde, 18 Prozent einen pro halbe Stunde. Die genannte Raumtemperatur lag im Schnitt bei 88°. Bei der Wassermenge lagen aber 83,4 Prozent der Antworten über dem Richtwert (DGUV 2018). Ein Aufguss kann also kräftiger sein als auf dem Papier.

Für dich heisst das: Ein durchschnittlicher Saunagang dauert etwa 8 bis 12 Minuten (Stadtwerke München), ein Aufguss also kaum länger. Zähl ihn als einen deiner Gänge, nicht als Zugabe. Komm abgekühlt und ausgeruht hinein, nicht direkt aus einem langen Gang.

Vor dem Aufguss

Wann ist der nächste? Schau auf den Aushang oder frag an der Kasse. Komm ein paar Minuten vor Beginn in die Kabine, damit du in Ruhe einen Platz findest.

Wo du sitzt. Heisse Luft steigt nach oben, darum ist es auf den unteren Bänken am wenigsten heiss. Wird es dir zu heiss, setzt du dich eine Bank tiefer (Stadtwerke München). Für deinen ersten Aufguss nimmst du am besten gleich eine mittlere oder untere Bank. Ein Platz nahe der Tür macht es leichter, früher zu gehen.

Dein Tuch. Auch beim Aufguss sitzt du ganz auf deinem Tuch, die Füsse eingeschlossen. Kein Schweiss aufs Holz (SRF). Beim Aufguss wird es oft voll. Setz dich hin, statt dich hinzulegen, dann haben alle Platz. Ob du dabei nackt bist oder Badekleidung trägst, erkläre ich in Nackt oder Badekleidung.

Zuhören. In der Umfrage des Sauna-Bunds sagten 90 Prozent, dass die Gäste vor Beginn Hinweise bekommen: zur Dauer, zum Duft und dazu, dass man den Raum verlassen darf (DGUV 2018). Hör zu. Wenn du auf Düfte empfindlich reagierst, sag es jetzt.

Während des Aufgusses

Die Tür bleibt zu. Während des Aufgusses sollte die Saunatür möglichst nicht aufgehen (Stadtwerke München), sonst entweicht der Dampf. Wer zu spät kommt, wartet auf den nächsten.

Du darfst jederzeit gehen. Das ist die wichtigste Regel für dich als Gast. Wird es dir zu viel, gehst du raus (Stadtwerke München), ohne Erklärung und ohne schlechtes Gewissen. Wenn es geht, nutzt du die kurze Pause zwischen zwei Güssen. Dann ist die Tür nur einen Moment offen, und die anderen verlieren wenig Dampf. Wird dir schwindlig oder übel, wartest du nicht auf die Pause: Steh langsam auf, geh hinaus, setz dich hin und sag dem Personal Bescheid.

Du giesst nie selbst auf. In einer öffentlichen Sauna macht das nur das Personal. Bei einer Überdosierung kann es zu einer Verpuffung und danach zu einem Brand kommen, oder zu allergischen Reaktionen (SRF). Hände weg von Kelle und Kübel.

Ruhe. In der Sauna ist Ruhe geboten (SRF), beim Aufguss erst recht. Du atmest, du schwitzt, du lässt den Dampf kommen.

Wenn du kein Wedeln mehr willst. Beim Wedeln kommt die heisse Luft direkt zu dir. Ist dir das zu viel, sag es leise oder zeig es mit der Hand. Eine gute Saunameisterin oder ein guter Saunameister nimmt das ernst.

Welche Düfte beim Aufguss üblich sind

Dem Aufgusswasser wird oft ein Duftöl beigegeben. Klassisch sind Nadelhölzer wie Fichte oder Latschenkiefer, dazu Eukalyptus, Zitrus, Menthol oder Minze (Stadtwerke München). Welcher Duft kommt, sagt dir das Personal vor Beginn.

Für mich zählt beim Aufguss der Dampf, nicht die Show. Ein guter Aufguss ist gleichmässig, mit nicht zu viel Wasser auf einmal, und er lässt den Gästen Zeit, die Wärme zu spüren. Ein Duft kann das schön begleiten. Er muss aber nicht.

Nach dem Aufguss

Bist du gelegen, setzt du dich spätestens beim letzten Guss auf. Dann wartest du ein paar Minuten, bevor du langsam aufstehst. In der Hitze sind die Blutgefässe weit, und wer zu schnell aufsteht, dem kann schwarz vor Augen werden (SRF).

Dann kühlst du ab wie nach jedem Gang. Zuerst ein paar Minuten an die frische Luft (Stadtwerke München), und dabei in Bewegung bleiben, statt still zu stehen (SRF). Dann kaltes Wasser, zuerst Beine und Arme, dann der Rumpf. Das Abkühlen dauert etwa so lange wie der Gang in der Hitze. Danach ruhst du 20 bis 30 Minuten und trinkst genug (Stadtwerke München).

Wie du sicher im See oder Fluss abkühlst, steht in Abkühlen im See, im Fluss und im Eisbad. Den ganzen Ablauf eines Saunabesuchs findest du in der Sauna-Knigge.

Aufguss in der eigenen oder gemieteten Sauna

In einer privaten Sauna giesst du selbst auf. Dann bist du die Saunameisterin oder der Saunameister, und es gelten dieselben Grundsätze:

  • Fang mit wenig Wasser an und giess es in kleinen Mengen auf die Steine.
  • Warte nach jedem Guss, bis der Dampf bei dir ankommt, bevor du nachgiesst.
  • Frag alle in der Kabine, ob es ihnen recht ist.
  • Nimm Aufgussmittel nur in der Menge, die auf der Packung steht. Auch in der eigenen Sauna kann eine Überdosierung zu einer Verpuffung führen (SRF).

Ob du in einer Mietsauna überhaupt aufgiessen darfst und welche Düfte erlaubt sind, fragst du vor dem Buchen. Die ganze Liste der Fragen steht in Sauna mieten.

Welche Sauna in deiner Nähe heute offen hat, zeigt dir bald Saunamap: Zur Saunamap

Veröffentlicht mit SuperDuperSEO